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Sind Sie ein Projektmensch?

Ein Beitrag von Dr. Ralf Hillemacher

Eine Flasche Everest Premium Lager Beer auf einem Tisch

Die Antwort ist ja – nein – etwas – weiß nicht. Einfacher ist da schon die Frage, ob man eher Bier- oder Weintrinker ist. Wenn man (sofern man überhaupt Bier und/oder Wein trinkt) seinen Konsum diesbezüglich analysiert, wird man zu einer Quote von 0 bis 100 kommen: also z. B. 100/0 = 100 % Biertrinker oder 80/20 Bier-Weintrinker. Früher war ich 100/0. Dies zeigte sich auch in solchen Restaurants, deren Geschäftsmodell darin besteht, abgezählte Möhrchen auf Einzeltellern zu servieren und Gästen sündhaft teure Weinflaschen anzupreisen. Dort bestellte ich immer penetrant mein Bier zum Essen.

Wer im Business arbeitet, wird, von Ausnahmen einmal abgesehen, entweder in regelmäßige Prozesse/Abläufe oder in Projekte eingebunden sein. Entscheidend für unsere Ausgangsfrage ist nun, ob Sie dies auch gerne tun. Wer bevorzugt in Projekten arbeitet, ist ein Projektmensch. Wer dagegen lieber in regelmäßige Abläufe eingebunden ist, wäre dann ein Prozessmensch. Analog dem Bier-Wein-Vergleich gibt es auch bei Projekt- und Prozessarbeit eine Quote von 0 bis 100. Die Seite, die über 50 liegt, ist ausschlaggebend, ob Sie ein Projektmensch oder Prozessmensch sind. 50/50 ist selten, aber durchaus möglich.

Ich erkenne Prozessmenschen im Seminar immer an bestimmten Äußerungen: „Ich bin für X zuständig und da kommen Projekte on-Top noch dazu. Eigentlich habe ich keine Zeit für Projekte …“ Der Projektmensch würde sagen: „Ich bin jetzt für das Projekt ABC verantwortlich. Mit meinem Chef stimme ich gerade ab, wie ich bei meiner Zuständigkeit für X entlastet werden kann …“

Bitte schätzen Sie sich spontan selbst ein, wie Ihre Quote ist, unabhängig davon wie viel Projektarbeit Sie tatsächlich im Alltag leisten. Es zählt das Herz, das mag oder nicht mag.

Prozessarbeit   0………………………………100 = A

Projektarbeit    0………………………………100 = B

A + B = 100

Nun haben Sie Ihre Quote, die Sie bitte einmal mit Ihrer tatsächlichen Verteilung von Projekt- und Prozessarbeit in Ihrem Alltag vergleichen. Ideal wäre eine exakte Übereinstimmung. Wenn die Quote z. B. 70/30 zugunsten von Projekten wäre, und Ihre Arbeit auch zu etwa 70 % aus Projektleitung oder Mitwirken in Projekten besteht, wäre hierbei das Optimum realisiert. Was aber, wenn es anders ist?

Nach meiner Erfahrung ist es in sehr vielen Fällen eben nicht optimal. Viele Projektmenschen leiden unter Routinetätigkeiten, in deren Mühle sie sich gefangen fühlen. Und viele Prozessmenschen fühlen sich überfordert durch Kontrollverlust bei Risiken und komplexen Verästelungen im Dschungel des Projektabenteuers. Wer jung und am Anfang seiner Karriere steht, dem ist klar zu empfehlen, berufliche Konsequenzen zu ziehen, falls es aktuell nicht passen sollte.

Ein Glas Roséwein auf einem Holztisch mit Blick aufs Meer

Was aber macht der voll integrierte Experte, ein Prozessmensch, der für Projekte gebraucht wird und Projektarbeit auch nicht ablehnen kann oder will? Ist die Quote starr und über die Zeit unveränderlich in Beton gegossen? Vor einer Antwort darauf, schauen wir noch einmal auf den Bier-Wein-Vergleich: Vor einigen Jahren verbrachte ich berufsbedingt viel Zeit in einem bekannten Seminarhotel an der Ahr (das durch die Flutkatastrophe inzwischen leider total zerstört ist). Dort lernte ich dann nebenbei auch den lokalen Weinanbau mit seinen exzellenten Roséweinen kennen. Seitdem ist meine Quote nicht mehr 100/0, sondern 80/20. Bezogen auf eine Änderung der Quote Prozess-/Projektarbeit ist selbstverständlich mehr als etwas geschmackliche Überzeugung erforderlich. Wer sich methodisch sicherer fühlt, wird auch Projektarbeit mehr schätzen als vorher. Insbesondere verbesserte Softskills im Umgang mit anderen Projektbeteiligten bringen nicht selten einen Quantensprung. Konflikte klären, aktive Kommunikation und Umgang mit mehr oder weniger motivierten Kollegen ist letztlich auch nur ein Handwerk, das erlernt werden kann und Routine erfordert.

Kompetenz im Projektmanagement kann auch ihre Quote der Selbsteinschätzung als Prozess-/Projektmensch verändern. Projekte verdanken ihren Erfolg meist Projektmitwirkenden, die nicht nur fachlich kompetent, sondern (zumindest teilweise) Projektmenschen sind.

Sind Sie vielleicht auch ein Projektmensch?

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